1.Warum ich mit Färberpflanzen meine Wolle färbe
Das Färben von Wolle mit Pflanzenfarben beschäftigt mich schon viele Jahre, mit dieser Technik färbe ich mir meine Wollstränge die ich dann verstricke.
Heute möchte ich dir einen kleinen Einblick in diese traditionsreiche Handwerkskunst geben und dir zeigen, warum natürliche Farbstoffe auch in unserer modernen Zeit wieder an Bedeutung gewinnen. Nachhaltigkeit und die Wertschätzung alter Techniken sind Stichworte, die uns immer wichtiger werden. Und was gibt es Schöneres, als ein Stück Wolle in den Händen zu halten, das mit den Farben der Natur veredelt wurde?”
2.Geschichte der Färberpflanzen
Bevor es synthetische Farben gab, war die Natur unsere einzige Quelle für leuchtende Farben. Diese Kunst ist so alt wie die Zivilisation selbst! Archäologische Funde belegen, dass schon vor Tausenden von Jahren Menschen in verschiedenen Kulturen Pflanzen nutzten, um ihre Textilien zu färben. Von den prächtigen Purpurroben der Römer, gewonnen aus Meeresschnecken, bis zu den tiefblauen Gewändern der alten Ägypter, gefärbt mit Indigo – natürliche Farben waren Statussymbol und Ausdruck von Kultur.
Im Mittelalter gab es spezialisierte Färberberufe und große Anbauflächen für Färberpflanzen, zum Beispiel Färberwaid
Erst im 19. Jahrhundert wurden synthetische Farben entwickelt, die die Pflanzenfarben verdrängten.
3.Was sind Färberpflanzen
Nun zum Herzstück: den Färberpflanzen selbst! Die Natur hält eine unglaubliche Vielfalt an Farbstoffen für uns bereit, und viele dieser Pflanzen haben eine lange und faszinierende Geschichte. Lass uns einige Beispiele genauer betrachten, die ich dir hier mitgebracht habe.
3.1.Krappwurzel
Schon in der Antike, in Ägypten und im Römischen Reich, wurde sie für ihre leuchtend roten und pinken Farbtöne geschätzt. Sie war ein wichtiger Handelsartikel.
3.2.. Goldrute
Ihre leuchtend gelben Blüten wurden ebenfalls seit Jahrhunderten genutzt, um warme, sonnige Gelbtöne auf die Wolle zu bringen.
3.3.Hibiskus
Auch der Hibiskus obwohl vielleicht nicht ganz so alt in seiner Färbertradition in Europa, zeigt uns die Vielfalt der Blütenfarben, die sich auf Stoff übertragen lassen, oft in Richtung Rosa oder Violett, je nach Beize und pH-Wert.
3.4.Blauholz
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in faszinierendes Beispiel für tiefe Blautöne ist das Blauholz. Es war im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein begehrtes Färbemittel, das aus Übersee importiert wurde und wunderschöne blaue Nuancen in der Küpenfärbung erzeugte.
3.5.Alkanna
Ihre Wurzeln geben einen wunderschönen roten bis violetten Farbstoff ab, der schon seit der Antike bekannt ist und in verschiedenen Kulturen für Textilien und sogar Kosmetika verwendet wurde.
3.6.Färberwaid
Die Blätter ergeben die Farbe Blau (Indigo)
3.7.Färberkamille
Mit den Blüten erzielt man ein schöne Gelb
3.8.Walnuss
Die Schale und Blätter ergibt die Farbe Braun
3.9.Birke
Mit den Blättern der Birke färbt man Gelbgrün
3.10.Holunder
Die Beeren des Holunder ergeben die Farben Violett und Blau
4.Farbpaletten der Pflanzen
Jede Pflanze hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene Farbpalette, und oft lassen sich durch Kombinationen oder veränderte Bedingungen ganz neue Nuancen erzielen. Denk nur an Grün, das traditionell oft durch die Kombination von Blau (z.B. Indigo, dessen Anbau und Handel die Weltgeschichte beeinflusst hat) und Gelb (z.B. Reseda, eine in Europa heimische Färberpflanze) entstand.”
5.Färben der Wolle mit Färberpflanzen
“Es gibt verschiedene Wege, wie die Farbe von der Pflanze auf die Wolle gelangt. Eine grundlegende Unterscheidung ist die Direktfärbung, bei der die vorbereitete Wolle direkt in den Farbsud gegeben wird. Dem gegenüber steht die Küpenfärbung, die beispielsweise bei Indigo angewendet wird – ein komplexerer Prozess, der schon in alten Kulturen beherrscht wurde.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Bei der Warmfärbung wird der Farbsud erhitzt, um die Farbstoffaufnahme zu verbessern, während bei der Kaltfärbung die Wolle über längere Zeit im kalten Farbbad liegt.
Besonders spannend ist das Experimentieren mit Farbnuancen. Schon kleine Veränderungen des pH-Werts im Färbebad – zum Beispiel durch Zugabe von etwas Essig oder Soda – können die Farbe leicht verändern. Und das Eintauchen von gebeizter Wolle in Eisenwasser kann beispielsweise Gelbtöne in Olivgrün oder Brauntöne verwandeln – eine Technik, die schon früh angewendet wurde, um dunklere, erdige Töne zu erzielen.
Nach dem Färben ist es wichtig, die Farbe in der Faser zu fixieren, damit sie nicht gleich wieder ausgewaschen wird. Das Beizmittel, das wir am Anfang verwendet haben, trägt auch hier zur Farbstabilität bei.
Um sicherzugehen, dass die Farbe hält, kann man die Licht- und Waschechtheit testen, indem man ein gefärbtes Stück Wolle dem Sonnenlicht aussetzt oder es vorsichtig wäscht.
Und wie pflegt man nun natürlich gefärbte Wolle? Am besten mit einem milden, pH-neutralen Waschmittel und nicht zu heiß, um die natürlichen Farbstoffe zu schonen.”
“Bevor die Magie der Farbe wirken kann, braucht die Wolle die richtige Vorbereitung. Nicht jede Wolle nimmt Farbe gleich gut an. Besonders gut eignen sich Schafwolle, aber auch feinere Fasern wie Alpaka oder sogar Seide lassen sich wunderbar natürlich färben.
Ein wichtiger Schritt ist das Beizen. Stell dir das wie eine Art ‘Grundierung’ vor, die hilft, die Farbstoffe in der Faser zu verankern. Traditionell wurden dafür verschiedene Substanzen verwendet. Ich verwende Alaun, ein Mineralsalz, das schon in der Antike bekannt war und oft für leuchtende Farben eingesetzt wurde, Essig, eine mildere Säure, und sogar Eisen, das die Farbe oft dunkler und erdiger macht.”
6.Resümee
“Das Färben mit Pflanzen ist nicht nur eine alte Handwerkskunst, sondern bietet auch heute noch unzählige kreative Möglichkeiten. Von der Herstellung einzigartiger handgefärbter Garne für Strickprojekte über kunstvolle Textildesigns bis hin zur Restaurierung historischer Textilien – die natürlichen Farben haben ihren ganz eigenen Charme und ihre Tiefe. Lass dich von den sanften Nuancen und der Lebendigkeit der Pflanzenfarben inspirieren und entdecke die Freude am Experimentieren mit dieser wunderbaren Technik!”
“Ich hoffe, dieser kleine Einblick hat dir die faszinierende Geschichte und die Technik des Pflanzenfärbens nähergebracht. Es ist ein Prozess, der uns mit unserer Vergangenheit verbindet und gleichzeitig eine nachhaltige Alternative für die Zukunft bietet.
Claudia Öttl
